Montag, 25. März 2019

Aufbruchstimmung

Da ist sie. Die Stimmung des Aufbruchs. Es ist Samstag, der 23.03.2019 und an diesem Nachmittag trinke ich auf Avalon meinen letzten Instantkaffee für dieses Jahr um danach den Rest meiner spärlichen sieben Sachen im Koffer zu verstauen. Irgendwie hab ich diesen aber nicht so schwer packen können, wie er war, als ich hier angekommen bin. Er ist ungelogen nur noch halb so schwer. Das stimmte mich freudig. Weniger zu schleppen. Auch der Rucksack wird viel leichter sein. So sitze ich jetzt bei Soane und schau ihm beim Pelé schnippeln zu. Vorbereitung fürs Dinner. Der Himmel strahlend blau obwohl es gestern noch gut regnete. Da war natürlich Mückenalarm heute. Um 15.30 Uhr bin ich los gelatscht. Der bestellte Truck ließ auf sich warten. Eine halbe Stunde später weiß ich warum. Ich lief mit Sack und Pack los und traf Manu und Soanes Jungs auf dem Hauptweg. An der Stelle war er vom Busch so sehr zugewachsen das sogar die Tonganer nicht mehr viel mit ihren großen Buschmessern machen konnten. Wir hatten uns zum Glück gefunden. Es war wieder einmal das Gefühl im Bauch.
Ich bin nun um 15.35 los gelaufen, weil niemand um 15.30 kam um mich abzuholen. Das in den letzten Wochen der Busch an der Hauptstrasse so sehr gewachsen ist, habe auch ich noch nicht erleben dürfen in den vielen Monaten die ich zwei Jahre zuvor hier verbringen durfte. Aber bei soviel Regen, wie er in 2019 schon in den ersten 2 Monaten hier herunterkam, es waren um die 1400 mm, ist es im nach hinein wirklich nicht verwunderlich mit dem starken und rapiden Wachstum der Pflanzenwelt auf Hunga Island.
Mein Dickkopf, also mein Verstand, wollte mich ins Dorf laufen lassen, was auch rein körperlich kein Problem gewesen wäre, doch als ich recht frische Reifenspuren in der rötlich-braunen Erde der Hauptstrasse erkannte, mischte sich sofort mein Gefühl mit ein. Mein Körper wollte kehrt machen, mein Verstand wollte Stur weiterlaufen Richtung Dorf. Ach, wie schön das mein Gefühl den Sieg errang und so kehrte ich um und lief in die entgegengesetzte Richtung. Manchmal sollte man das machen. Um schneller an sein Ziel zu kommen einfach in die entgegen gesetzte Richtung laufen. Ich ließ meinen Koffer und den Rucksack natürlich am Wegesrand liegen und pirschte dann schnell wie ein Rehkitz durch das Dickicht, welches auf der Hauptstrasse wuchs. Ich zerkratzte mir dabei die Schienbeine, was ich jedoch erst bemerkte als ich mein Ziel erreichte. Da stand Manus Truck quer und mitten auf der Buschstrasse. Erst dachte ich, sie haben sich fest gefahren und kommen nicht mehr frei. Ich rief nach Manu und ein "Vau!" kam aus dem Wald. Da kamen dann die Jungs von Soane angelaufen und nachdem ich in den Wald eintauchte erkannte ich auch Manu welcher unter eine Kokosnusspalme mit einer Machete saß ...
Schnell noch paar Kokosnüsse für die Schweine im Dorf geknackt und dann ging die heitere Fahrt zurück ins Dorf los. Der Weg war zum Glück trocken und das Gemüt erhoben. Mit Soane hatte ich ein lockeres Gespräch während er für mich Abendbrot kochte. Er ging extra in den Busch um Pele-Blätter zu ernten. Zusammen mit dem schon gebackenen Maniok zauberte er mir ein wunderbares Abendbrot.
Samstag Abend lief in der Dorfhalle ein Rugbyspiel im TV. Soane und ich gingen dort um kurz vor 20 Uhr hin. Abends hatte auch noch der kleine Dorfladen auf. Der Dorfladen erinnert mich an die kleinen Läden die wir zu DDR-Zeiten in Jeserig hatten, dem Dorf in welchem ich in Deutschland aufgewachsen bin. Wir nennen sie bis heute noch scherzhaft: "Tante-Emma-Laden". Um Viertel nach Zwanzig Uhr begeben wir uns beide zu den anderen Herren welche es sich auf Matten in der Halle gemütlich gemacht haben. Soane gab mir so ein Sprudelgetränk mit Zucker und Kohlensäure darin aus. Wenig später, das Spiel läuft schon und Neuseeland war schon mit einigen Punkten den Südafrikanern vorraus, da reicht mir mein Nachbar eine Schale mit dem Nationalgetränk "Kava" darinnen. Da ich es schon kenne und auch schonmal in den Genuss eines Kava-Rituals gekommen mit während meinem letzten Hunga-Aufenthalt nahm ich dankend an und verschlang die bitter schmeckende Flüssigkeit. Diese eine Schale war jedoch zu wenig , als das sich eine Wirkung in meinem Körper breit machen könnte. Man muss schon 3-4 Schalen trinken und das am besten auf nüchternen Magen um in den Genuss der beruhigenden Wirkung zu kommen. Hier gibts mal eine kleine Erläuterung zu dem Kava-Getränk
Am nächsten Tag, dem Sabbath gehts in die Kirche, ich blieb jedoch bei Soane im Haus um mich auszuruhen und später um elf herum gab es dann das Sonntagsmahl. Jede Menge Maniok und Lu (in Taloblätter eingewickeltes Hühner- Schweine- oder Lammfleisch welches im Erdofen gebacken wird). Um 15 Uhr fährt das Boot von Koliseti nach Neiafu, die Hauptinsel von Vava'u, um dort die Schüler abzuliefern. Das sind die Jungs und Mädels die die Woche über bis Freitag in der Stadt bleiben um jeden Tag zu Schule zu gehen. Es soll schließlich mal was aus ihnen werden. Jeder ältere Tonganer wünscht sich, das seine Kinder später mal was gescheites in Übersee arbeiten um Geld nach Hause bringen zu können. Denn die Wirtschaft im Königreich ist nun mal an Grenzen gebunden, was verschiedene Gründe hat, welche ich an dieser Stelle nicht aufzählen möchte.

Soana V - Der Meisterkoch im Dorf

Maniok und Pele. Wunderbare Kreation.

Filipe - Soanes Kleinster

Niu aus Neiafu

Tu'imala - Lord Fulivais Schwester

Um 16.30 Uhr sitze ich unter dem großen Baum am Hafen. Hier wurde vor einigen Monaten erst tolle Steinbänke gebaut so das man schön unterm Baum sitzen kann. Der Baum schützt das ganze Jahr über vor Sonne und Regen. Ich warte auf Mala und Niu, welche ich 15 Minuten früher aus dem Bett geklingelt habe. Um 17 Uhr rufe ich nochmal durch um sie endgültig aus den Federn zu jagen.
Später am Abend sitze ich bei Mala und Niu auf dem Balkon mit der "Eine Million Dollar"-Aussicht und schreibe darüber, daß ich gerade dabei bin mir über's Internet ein zweites finanzielles Standbein aufzubauen. Die letzten zwei Stunden hatte ich also den FB Messenger und Skype dazu benutzt um da etwas in die Wege zu leiten. Scheinbar bin ich bei verrückten Leuten gelandet. Passt doch! Bin ja auch nicht ohne. Woran erkennt man das ein Mensch immer für Veränderungen bereit ist? Er ändert sich in ziemlicher Windeseile. Heute sah ich in einen großen Spiegel und entdeckte das mein Kopfhaar wieder sehr hell geworden ist. Ich weiß ja wo die Ursachen dafür liegen. Ihr auch? Nein! Fragt mich... Hat was mit Ernährung und mit viel Bewegung und mit einiges an Willenskraft zu tun.
Ich teile mein Wissen auf Anfrage. Perlen vor die Sau? Ne. Noch nicht.
Ich stand heute morgen auf einer Körperwaage. Ich fühlte mich schon die letzten zwei Monate leichter und frischer. Kein Wunder. Der Wald hat mir behutsam Vierzehn unnütze Pfunde genommen. Dafür Danke. In 48 Stunden befinde ich mich schon in Nadi/Fiji.

Dort bin ich angekommen und ein freundlicher Taxifahrer, der sich scheinbar nicht in seiner Domäne auskennt (Er musste nach dem Weg fragen, Gottseidank gibt es Google Maps) brachte mich zu meinem Motel für die Nacht. Mein Anschlussflug geht nämlich erst am nächsten Morgen. Ich quartiere mich ein und bekomme gleich am Anfang mit das die indische Familie, welche die Unterkunft zu leiten scheint, nicht sehr Kundenfreundlich eingestellt sind. Das genügt mir jedoch. Ich lasse mich dann beim nächsten Supermarkt (New World IGA) absetzen um dort etwas einzukaufen für den kleinen Hunger. Den Rückweg, etwa 2 Kilometer, gehe zu Fuß und dabei eröffnete sich mir ein fantastisches Bild. Die Bergkette im Hinttergrund und ein kleines Regengebiet mehr östlich davon. Schwenkt der Blick dann nach Westen kommt immer mehr die Sonne hindurch. Im gesamten einfach ein Traumhaftes Bild.

Manu von Hunga



In diesem Sinne, euer Nikko.

Keine Kommentare:

Kommentar posten